Mehr über Palmöl

Palmöl

Wie der Konsum Palmöl-haltiger Produkte die Zerstörung tropischer Wälder fördert.

Palmöl gehört mengenmässig zu den wichtigsten pflanzlichen Fetten, die global produziert werden, und wird neben seiner Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel für technische Zwecke und die Erzeugung von Bio-Sprit (engl. „bio-fuels“) genutzt. Beim Palmöl kann sowohl aus der Frucht also auch aus ihrem Kern Öl gewonnen werden („Palmöl“ und „Palmkernöl“), die ähnliche Eigenschaften haben. Trotz der aufwändigen Extraktion und Nach-Verarbeitung gehört Palmöl zu den günstigsten pflanzlichen Ölen der Welt. Dies ist wohl hauptsächlich der sehr hohen Produktivität der Ölpalme zu verdanken, denn sie produziert mehr Öl pro Hektare als jede andere Öl-Pflanze (ca. 3‘000 kg Palmöl & 250 kg Palmkernöl pro ha; https://www.pro-regenwald.de/hg_palmoel, 31.12.2017). Die Palmöle machen, mit über 50 Mio Tonnen jährlichem Ertrag auf insgesamt über 13 Mio ha Fläche, rund 1/3 der Produktion aller pflanzlichen Öle aus (FAO, SSI Review 2014, Koh et al., 2008). Die Gebundenheit der Ölpalme an tropisches Klima verbirgt aber auch eine dunkle Schattenseite, denn immer grössere Flächen artenreicher, für das Weltklima äusserst wichtige tropischer Wälder müssen den Ölpalmen-Monokulturen weichen. Die beiden grössten Palmöl-Produzenten weltweit sind die Inselstaaten Indonesien und Malaysia (Koh and Wilcove, 2008). Die Insel Borneo ist ein besonders extremes, aber auch besonders eindrückliches Beispiel für die durch den Palmöl-Hunger der Menschen ausgelöste Umweltzerstörung. Die Entwaldung in Borneo begann lange vor dem Palmöl-Boom der letzten Jahre und hatte zu Beginn vor allem mit dem Verkauf von tropischen Hölzern zu tun. Eine Studie aus dem Jahre 2003 schätzt, dass rund 40% (Indonesia-UK Tropical Forestry Management Programme (1999) Illegal Logging in Indonesia. ITFMP Report No. EC/99/03) des Holzes illegal aus dem Wald geschlagen wurde. Eine neuere Studie von Greenpeace schätzt den Anteil sogar auf bis zu 88% (Greenpeace (2003) Partners in Crime: A Greenpeace investigation of the links between the UK and Indonesia’s timber barons. See http://www.saveordelete.com). Koh and Wilcove (2008) haben in ihrer Studie aber gezeigt, dass in den Jahren 1990 bis 2005 fast 60% der Entwaldung der Vergrösserung der Ölpalmen-Monokulturen geschuldet ist. Malaysia und Indonesien, die sich die Insel Borneo teilen, sind dabei auch die weltweit grössten Produzenten von Palmöl (89% im Jahr 2011). Aber auch in vielen anderen tropischen Regionen fallen wertvolle Wälder der Produktion von Palmöl zum Opfer: In Lateinamerika v.a. Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Costa Rica, Guatemala und Honduras; In Afrika produzieren Ghana und Nigeria einen nennenswerten Anteil an Palmöl; und in Asien (Oceanien) sind es, neben Malaysia und Indonesien, Thailand und die Salomon Inseln (FAO, SSI Review 2014).

 

Zusätzliche Umweltschäden

Die Verdrängung der diversen tropischen Wälder durch Ölpalmen bedroht in erster Linie die sprudelnde Diversität, die in diesen Regionen der Erde typisch ist, durch die Zerstörung von Lebensraum. Koh and Wilkove (2008) konnten zeigen, was für die meisten offensichtlich erscheint: neben tropischen Wäldern sind Ölpalmen-Monokulturen regelrechte Wüsten (dort leben weitaus weniger Species als im Wald). Neben dieser primären Bedrohung haben die Produktionsflächen für Palmöl aber weitere negative Auswirkungen auf die umliegenden Ökosysteme. Der intensive Einsatz von mineralischen Düngern („Kunst-Düngern“) strapaziert die Böden und führt zu Eutrophierung (ein Nährstoffüberfluss, v.a. von Phosphor) von Gewässern und „flussabwärts“-liegenden Ökosystemen. Eutrophierung hat häufig eine Arten-Änderung einhergehend mit einer Senkung der Biodiversität zur Folge. Um die empfindlichen Ölpalmen von Beginn an vor Schädlingen zu schützen werden grosse Mengen verschiedenster Pestizide eingesetzt. Diese schaden ebenfalls „flussabwärts“-liegende Ökosysteme, aber auch häufig der Insekten-Fauna in der Umgebung wohin die oft giftigen Stoffe durch den Wind verweht werden.

 

Indigene Völker

Wie meistens, wenn tropische Wälder aus Profit-Interessen zerstört werden, sind auch durch die Palmöl-Industrie die in den Wäldern heimischen indigenen Völker ihrer Heimat geraubt und von dort vertrieben worden. In Malaysia haben Proteste indigener Stämme kleine, aber eher unbedeutende Erfolge erzielt. Weiterhin, werden die Interessen und Bedürfnisse der Indigenen von der -produzierenden Industrie nicht ernsthaft berücksichtigt.

 

Zertifiziertes Palmöl

RSPO

Als Reaktion auf massive Kritik an den durch die Palmöl-Produktion ausgelösten Umweltschäden und Vertreibungen indigener Völker hat die Industrie mit der Etablierung von Zertifikaten geantwortet. Ein weit verbreitetes Zertifikat tritt dabei besonders hervor: RSPO – The Roundtable on Sustainable Palm oil. Beim RSPO handelt es sich sehr eindeutig um Greenwashing für Konzerne. Rettet den Regenwald.org schreiben auf ihrer Website: „256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt haben bereits 2008 RSPO als Etikettenschwindel abgelehnt“ (https://www.regenwald.org/themen/palmoel/rspo-siegel-kann-palmoel-nachhaltig-sein#start, 03.01.2018). Um es kurz zu fassen: RSPO erlaubt die Rodung wertvoller Primärwälder (mit Ausnahme von „High Conservation Value Forest“), die sozialen Zugeständnisse entsprechen den Menschenrechten und selbst diese werden oft nicht eingehalten (Vertreibung indigener Völker und Kleinbauern), bei uns längst verbotene Pestizide sind erlaubt und Klimaschutz kommt in den RSPO Kriterien gar nicht vor (https://www.regenwald.org/themen/palmoel/rspo-siegel-kann-palmoel-nachhaltig-sein; https://www.pro-regenwald.de/hg_palmoel; 03.01.2018). Dem gibt es wohl nichts mehr hinzu zu fügen.

Bio-Palmöl

Die Produktion von Bio-Palmöl ist grundsätzlich umweltfreundlicher als der vergleichbare konventionelle Anbau, da die zusätzlichen Umweltschäden durch den Einsatz mineralischer Düngemittel und synthetischer Pestizide vermieden werden. Leider enden die Vorteile von Palmöl, das „nur“ nach Bio-Standards produziert wurde. Oft wird „bio“ mit „nachhaltig“ verwechselt, aber Biologischer Landbau bezieht sich nicht explizit auf Nachhaltigkeit, sondern weitgehend auf Natürlichkeit (und selbst das ist Ansichtssache). Die Bio-Zertifizierung von Palmöl erlaubt die Produktion in Monokultur und verbietet die Rodung tropischer Wälder nicht! Auch legt sie keine sozialen Standards fest oder schreibt einen gewissen Umgang mit indigenen Völkern fest. Kurz gesagt: der Anbau von Bio-Palmöl unterscheidet sich von konventionellem Anbau lediglich massgeblich durch den Verzicht auf synthetische Dünger und -Pestizide (https://www.ifoam.bio/sites/default/files/ifoam_norms_july_2014_t.pdf). Ausnahmen (wie z.B. Rapunzel Bio-Palmöl) bestätigen die Regel.

 

Alternativen

Leider werden bisher kaum Alternativen zum Monokultur-Anbau von Palmöl entwickelt. Mischkulturen beschränken sich zurzeit v.a. auf die Pflanzung von bodenbedeckenden Leguminosen um den Boden vor Erosion zu schützen und ihn kostengünstig und effizient mit Stickstoff zu versorgen. Das ist schon ein grosser Fortschritt gegenüber der konventionellen Anbauweise und wird von einigen Bio-Bauern umgesetzt wird, aber es ist immer noch sehr nahe an einer Monokultur. Mischkulturen mit Obst- und/oder Wertholzbäumen oder gar anderen Palmen, wie Kokos- oder Dattelpalme, wären denkbar. Das würde eine naturnähere Struktur der Plantage ergeben und potentiell das einfallende Licht und andere Ressourcen effizienter nutzen. Eine Folge wäre vermutlich, dass die Ölpalme selbst eine geringere Produktion an den Tag legt, da sie sich Licht und Ressourcen mit anderen teilen muss, aber dazu käme der Ertrag aller anderen in der Plantage vorhandenen Nutzpflanzen. Es ist wichtig solche Alternativen zu Monokulturen zu erarbeiten und das gilt nicht nur für Palmöl.